Ton-Feld-Arbeit

"Meine Hände beginnen zu wandern, zu tasten und zu gleiten."

Erfahrungsbericht über Arbeit am Tonfeld

"Ich habe auf dem Schemel Platz genommen, meine Füsse bewusst aufgestellt und bin erst einmal bei mir selber angekommen.
Gar keine so leichte Sache, verleitet mich der Gedanke an eine neue Tonfelderfahrung doch meistens dazu, mich in verschiedenen Vorstellungen zu verlieren was wohl passieren mag.

Doch jetzt bin ich angekommen, nach einer kleinen Reise durch meinen eigenen Körper die mir, wieder einmal, bewusst gemacht hat wie leicht man sich doch selber vergisst.
Natürlich, dieser Körper begleitet uns und ist uns vertraut, und doch ist er nicht selbstverständlich. Er ist auch etwas Haltgebendes, auf ihn können wir uns besinnen, wenn wir nur daran denken.

Ein bisschen fühlt es sich an wie wenn ein Musiker sein Instrument stimmt, wie bei einem Orchester, kurz vor Beginn des Stücks, wenn alle Musiker noch einmal mit ihrem Instrument, ihrem Werkzeug Fühlung aufnehmen.
Jetzt habe ich mit meinem Körper Fühlung aufgenommen und bin bereit die neue Erfahrung ganz und bewusst auf zu nehmen.

Meine Augen sind geschlossen, doch als ich die Hände auf den kühlen festen Ton lege ist es als würde sich mein inneres Auge zu öffnen beginnen. Langsam, behutsam entsteht ein Bild, zunächst noch verschwommen, als würde etwas aus großer Tiefe einer sonnigen Oberfläche näher kommen.
Wahrscheinlich sind es innere Empfindungen, Gefühle, Impulse meiner Seele und meines Körpers die sich da nähern, angelockt von dem sich öffnenden Tor, dem Weg nach Draussen, ins Sein.
Es ist ein gutes Gefühl, ich halte mir die Tür auf und langsam dringt hindurch was so lange darauf gewartet hat gelebt zu werden.

Meine Hände beginnen zu wandern, zu tasten und zu gleiten, sie sind noch immer ein Teil von mir aber doch sind sie auch anders, neuer, bewusster, lebendiger. Ich fühle die Kühle des Tons, wie er teilweise weich und teilweise fest ist, wie er auf meine Berührungen reagiert und wie ich auf ihn reagiere.
Zunächst dominieren die Fingerspitzen das Spiel, der Kopf, der Verstand gibt die Zügel noch nicht gleich frei, zu neu und unbekannt ist dieser Weg, doch schliesslich gibt er dem sanften aber beharrlichen Drängen nach und mehr und mehr legt sich die ganze Hand hernieder, schmiegt sich an den Untergrund, öffnet ihre Sinne.

Und dann wird aus dem Tasten und Fühlen ein Forschen, Drängen, Formen. Ich kann diesem Ton form geben, ich kann ihn beeinflussen, Macht und Kraft auf ihn wirken lassen. Es hat etwas berauschends, ich drücke und es gibt nach, ich kann es streicheln und schlagen, zerreissen und kneten, zerfetzen und zusammenfügen.
Der innere Strom wird stärker doch ist dort auch stets ein Halt, lasse ich meine Finger wandern komme ich bald schon an den Rand es Kastens, der Ton ist endlich, er ist wie ein Fenster, ein Ausblick, ein kleiner Kanal durch den meine innere Kraft strömen aber nicht fluten kann.
So kann ich mich ihr auch stellen, sie annehmen, fühlen, sie durch mich gleiten lassen, es ist als würde ein sanfter Fluss aus Energie meine Sinne berühren.

Bald schon hält es mich nicht mehr auf dem Stuhl. Ich stehe auf, richte mich auf und stemme meine Hände immer fester auf das Feld. Die Handflächen, die Ballen, Handaussenkante, was mir gerade in den Sinn kommt wird mit dem Ton vereint, auch die geballte Faust kracht mitunter in das weiche Material, ich fühle wie ich es forme, wie es sich an meiner Hand festsaugt und sie dann doch wieder freigibt. Mein Herz pocht lauter, ich merke das ich Kraft freisetze, meine Arme und Schultern melden sich, klinken sich ein und werden ein Teil des Werkzeugs, die Hand alleine reicht nicht mehr, dann noch der Rumpf, Rücken, Becken, Beine, bis in die Füsse, aus allen Winkeln ziehe ich Kraft, stemme, stütze mich auf den Ton bis ich sogar für einen Moment die Füsse vom Boden löse.

Nur noch auf die Handballen gestützt hänge ich über dem Tonfeld, meine schmerzenden Handgelenke drücken sich tiefer in den Ton bis ich mich wieder abstelle, durchatme, mich löse.

Einen Augenblick lang muss ich zu mir selber finden, mich wieder sammeln, mir ist als wäre ich gerade eine Stück gerannt, hätte mich viel bewegt dabei war es nur ein kurzer Moment.
Wie von selbst gleiten meine Hände dabei über den Ton, ich spüre die Furchen und Risse, die Mulden und Senken, die Verwerfungen und Formen die meine wilden ersten Schritte hinterlassen haben.

Ich setze mich wieder, aus dem wilden Strom ist ein sanfteres Fliessen geworden, aus dem Drücken und Formen ein Streicheln und Glätten.
Wasser, ich brauche Wasser, ich nässe den Ton, das Haftende, Klebende beginnt mich zu stören, ich möchte das sanfte, weiche Gefühl erkunden.
Wieder und wieder schöpfe ich aus der Schale neben mir, lasse das Wasser auf den Ton tropfen und warte, fühle bis ich zufrieden bin. Dann beginne ich zu gleiten, meine Hände streichen über den Ton, der Druck ist sanft diesmal, liebkosend, glättend, heilend.

Einen Moment lang geht mir das Bild einer einfachen glatten Fläche durch den Kopf, ich bin versucht einfach alles gleich zu machen, leer und steril, doch schnell wird mir klar das es mein Verstand ist der mir dieses Bild geschickt hat. Ginge es nach ihm wäre alles einheitlich, geordnet, überschaubar, doch so bin ich nicht.
Doch ich bin auch nicht ein wilder, chaotischer, unstrukturierter Haufen, ich bin etwas dazwischen, Teils so und Teils so, und noch viel mehr.
Was also bin ich?
Ratlos, vorsichtig berühre ich den Ton, hier drückend, dort glättend, nicht denkend, fühlend, und je mehr ich mich dem Gefühl hingebe, dem Kopf Ruhe gönne, desto deutlicher spüre ich das Bild das aus meinem Inneren kommt.
Wie von selber beginnen meine Hände dem Bild Gestalt zu geben, den willigen Ton zu formen, geduldig lässt er geschehen was ich mit ihm tue, er drängt nicht, er fordert nicht, er korrigiert nicht, er nimmt einfach auf und ich kann formen und gestalten wie es mein Herz begehrt.

Es wird mir leicht ums Herz, es hat etwas beglückendes etwas zu schaffen, zu formen und zu gestalten, wie Seifenblasen perlen die Facetten meiner Vorstellung an die Oberfläche und geben ihren schillernden Inhalt dort preis, ich greife es auf und lasse es Form werden, so wie es mir gerade in den Sinn kommt.

Schliesslich werden meine Bewegungen langsamer, der Strom ebbt ab und kommt zur Ruhe.Die Tür ist noch offen doch der Drang ist weg, was heraus wollte kam heraus, die Spannung ist abgebaut.

Meinen erschöpften Händen liegen schliesslich still, ihr Werk ist fürs erste vollbracht.
Ich spüre wie der Ton auf ihnen trocknet, es juckt, ich öffne die Augen und bin bei mir."

Dieser Erfahrungsbericht stammt von einem meiner erwachsenen, männlichen Klienten und wurde freundlicherweise für zur Verfügung gestellt. Der Klient ist 36 Jahre alt. Er hat bei mir 2011 seine Arbeit am Tonfeld® gemacht.